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Neuer Text Utopien Dominanzabbau Das "Wie" der Stiftung Organisierung von unten
Verlag SeitenHieb

Grundgedanken der Stiftung FreiRäume
(alte Fassung aus 2004)

Die folgenden Passagen sollen die Ziele und Wege der Stiftung FreiRäume benennen. Im Vordergrund stehen die Besonderheiten, die die Stiftung FreiRäume von bestehenden unterscheiden – ohne ein Exclusivrecht erheben zu wollen. Unsere Ideen sind offen, dürfen übernommen, diskutiert und verändert, weiterentwickelt und ausprobiert werden. Wir würden uns freuen, neben konkreten Kooperationen auch in diesem Sinne in einen Austausch mit ähnlichen Projekten, Stiftungen usw. treten zu können.

Allgemeine Ziele

Die Stiftung FreiRäume will offene Räume entwickeln und aufbauen. Ziel ist dabei, (formal)hierarchische Strukturen zu verdrängen und ein horizontales, gleichberechtigtes Leben und Kooperieren von Menschen zu fördern. Die Stiftung will das durch Gebäude, Flächen, Räume, Wägen und andere Einrichtungen erreichen, die sie unter den Bedingungen von Offenheit und Horizontalität NutzerInnengruppen zur Verfügung stellt und mit diesen Kooperationsverträge aushandelt, in denen die Stiftung auf weitergehende Einflussnahme verzichtet.
Mit dieser Idee verbinden sich die Ziele des Erhalts von historischen Gebäuden, Wissen, der selbstbestimmten Entfaltung von Kultur und Kunst, des Schutzes der als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben unersetzlichen Natur sowie der Bildung und Forschung in all diesen Themengebieten. Neben eigenen Gebäuden und Flächen will die Stiftung Kooperationen mit anderen Trägern eingehen und in diesen Kooperationen vor allem die Idee der Offenheit von Räumen und der Horizontalität zwischen allen NutzerInnen vertreten und sichern. Vision ist ein Netz offener Räume an vielen Orten des Landes. Diese sollen gefüllt sein von der selbstbestimmten Aktivität vieler Menschen. Zwischen ihnen ist Austausch und Kooperation angestrebt.
Zur Unterstützung dieser Ziele können vor allem Zustiftungen in Form von Gebäuden und Grundstücken sowie die Mitwirkung an Vernetzung, Beratung und Verwirklichung von Projekten dienen.

Neutralisierung von Eigentum

Kein Rechtsträger und keine natürliche Person soll durch das Eigentum über besondere Einflußmöglichkeiten verfügen. Das Eigentum ist zu neutralisieren. Dieses kann nicht eine Stiftung allein schaffen - solches wäre Augenwischerei, denn die Stiftung ist selbst eine handelnde Person mit konkreten Personen an der Spitze. Die Neutralisierung des Eigentums entsteht durch den Vertragsabschluß zwischen der Stiftung (entweder als Eigentümerin oder als Mitgesellschafterin in der Hauseigentümer-GmbH) und den NutzerInnen oder Personen/Gruppen im Projekt (z.B. ein Verein). Dort, im Autonomie- oder Gesellschaftervertrag, wird das Projekt beschrieben und die konkrete Form der Entscheidungsstrukturen (in jedem Fall kollektiver, selbstorganisierter und autonomiefördernder Art) festgeschrieben wird. Der Vertrag ist einseitig unkündbar. Die Stiftung überträgt der in diesem Vertrag genannten Entscheidungsstruktur die Besitzrechte auf die NutzerInnen – damit ist ein offener Raum geschaffen und vormals Privates frei zugänglich.

Auf jeden Fall zu regeln: Sicherung offener Räume gegen Privatisierung

Die Übertragung der Besitzrechte an die handelnde Gruppe per Vertrag im Autonomie- oder Gesellschaftsvertrag wird eingeschränkt durch folgende Festlegungen, die in jedem Vertrag vorkommen müssen:

Die Stiftung garantiert diese Ziele durch Bestehen auf die Einhaltung des Vertrages in diesen Punkten. Außerhalb dieser Fragen und auch in der konkreten Form der öffentlichen Nutzung, des Werterhaltes und der Entscheidungsstrukturen hat die Stiftung kein Mitentscheidungsrecht.

Eventuell zu regeln: Aufkaufspflicht und Übernahmerecht

Politische und öffentliche Räume sind nicht gegen die Beteiligten an einem Projekt aufrechtzuerhalten. Es ist sinnvoller, den Wert eines nicht mehr öffentlichen Projektes an anderen Orten einsetzen zu können als formal auf Vertragseinhaltung zu bestehen. Daher sollten die Verträge bei Änderung der genannten drei Punkte (siehe „Sicherung offener Räume ...“) eine Aufkaufspflicht der nutzenden Gruppe enthalten.
Soweit die Stiftung keinen Wertverlust erleidet bzw. eingesetzte Mittel ersetzt bekommt, kann jedes Projekt jederzeit in andere, mindestens gleiche Absicherungen bietende Rechtskonstruktionen wechseln (z.B. andere, etwa regional gegründete Stiftung mit gleichen Verfahren).

Rechtlicher Rahmen für Kreativität, Vielfalt, Offenheit und Hierarchiefreiheit

Durch eine spezifische rechtliche Konstruktion soll eine kreative, vielfältige, offene und (formal)hierarchiefreie Situation abgesichert werden. Keine in Deutschland zugelassene Rechtsform bietet das. Daher sollen die Projekte nicht über einen einzigen Rechtsträger, sondern über einen Vertrag zwischen mehreren Rechtspersonen, u.a. der Stiftung sowie z.B. Firmen oder Vereinen der NutzerInnen und eventuell selbigen als Einzelpersonen. In diesem wird das Projekt beschrieben und festgelegt, welche Entscheidungsstrukturen gelten. Die konkrete Form wird von den Menschen und Gruppen entwickelt, die am Projekt beteiligt sind. Die Stiftung berät, zudem  sichert sie im Vertrag den öffentlichen Raum sowie die kollektive Struktur -ohne diese beiden Punkte sowie materielle Grundvoraussetzungen (Sicherung des Wertes usw.) schließt die Stiftung keinen Vertrag ab.
Zudem bietet die Rechtskonstruktion "Vertrag" (Autonomie- oder Gesellschaftervertrag) die Möglichkeit, für jedes Projekt eine individuelle, dessen Einzigartigkeit unterstützende Regelung zu finden – das steigert die Autonomie der Beteiligten am Projekt. Mehr zu den Rechtsformen ...

Professionalität als Teil der Selbstorganisation von unten

Die Stiftung FreiRäume betreibt keine zentrale Geschäftsstelle oder Koordination, sondern alle Teilaufgaben werden innerhalb der Projekte umgesetzt. Vorstellbar ist, daß alle Projekte eine oder mehrere Aufgaben für das Ganze übernehmen (Buchführung, Materialverwaltung, Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit, Projektbüros usw.).

Vernetzung und Fortbildung

Die Stiftung schafft nicht nur einzelne Objekte, sondern versucht, aus der Vernetzung mehr zu machen als ein Nebeneinander.
a. untereinander
Alle Projekte sollen untereinander vernetzt sein. Dazu dienen vor allem die konkreten Projekte sowie ein kontinuierlicher Erfahrungsaustausch und die Fortbildung. Sinnvoll kann sein, wenn dafür konkrete Personen aus den Projekten AnsprechpartnerInnen sind, z.B. zu Selbstorganisation, Finanzen, Tausch von Materialien und Know-How zwischen den Projekten usw.). Treffen und Seminare zu Themen wie Selbstorganisation, Finanzbeschaffung, Gruppenprozesse und Entscheidungsfindung von unten usw. sind Teil des Netzwerkes, das aus den Projekten mit Stiftungsbeteiligung und weiteren ähnlichen Projekten entsteht.
b. Bewegungsorientierung
Die Projekte, an denen die Stiftung Eigentum hat, sollen sich als Teil politischer Bewegung begreifen, diese stützen und weiterentwickeln. Materielle Ressourcen sollen emanzipatorischen politischen Gruppen zur Verfügung stehen. Häuser und Grundstücke sollen, soweit geeignet, Treffpunkte und Arbeitsplattform für politische Gruppen, Kultur- und Bildungsarbeit, Selbstorganisationsprozesse usw. sein.

Projekte und Öffentlichkeitsarbeit

Die Stiftung organisiert aus den konkreten Projekten heraus eine möglichst breite Öffentlichkeitsarbeit. Die konkrete Arbeit soll gleichzeitig vernetzenden Charakter haben. Unter anderem ist an eine Zeitung „FreiRäume“ gedacht mit Berichten, aber auch politischen Diskussionsbeiträgen, bei der aus jedem Projekt mindestens eine Person in der Redaktion mitwirkt. Die Zeitung wird in einem der Projekte oder rotierend koordiniert.
Beispiele für solche Projekte sind oder können sein:

Politische Debatte

a. Visionen herrschaftsfreier Gesellschaft
Neben der konkreten Ebene, Projekte zu realisieren, soll die Stiftung auch eine visionäre und strategische Debatte vorantreiben. Damit soll der Prozeß in den Projekten, immer wieder kreative, neue Wege zu entwickeln, unterstützt werden. Emanzipation als Überwindung von Herrschaftsverhältnissen und gesellschaftlichen Konstruktionen ist ein immerwährender Prozeß. Eine Debatte, die sich immer wieder an der Praxis mißt, ohne durch das scheinbar nur „Machbare“ ausgebremst zu werden, ist wichtige Voraussetzung dafür.

b. Entwurf, Experimente und Reflexion emanzipatorischer Prozesse und Projekte
Aus der Debatte von Visionen und Entwürfen entstehen auch Ideen für konkretes Vorgehen. Entscheidungsprozesse, konkretes Vorgehen bei Projekten und Aktionen – all das sollte laufend weiterentwickelt werden vor allem hinsichtlich des Abbaus von Dominanzverhältnissen. Die Erfahrungen vieler bestehender Projekte dürften als Betrachtungsgegenstand und abschreckendes Beispiel dienen.

c. Dekonstruktion nicht-materieller Herrschaftsstrukturen und Ungleichheiten
Ungleichheiten und Dominanzen zwischen Menschen beruhen nicht nur auf formalen und materiellen Unterschieden. Diese sind ein Teil, ihre Reduzierung oder Auflösung aufgrund neutralisierter Eigentumsverhältnisse von Boden, Gebäuden, Geräten, Wissen usw. ist daher sinnvoll und notwendig, aber nicht ausreichend. Sonst würden die Herrschafts- und Diskrminierungsverhältnisse der Gesellschaft bestehen bleiben, die aufgrund der „Zurichtung“, d.h. der Beeinflussung durch soziales Umfeld, Konstruktion und Rollenzuweisung, Erwartungshaltungen usw. in jedem Menschen wirksam werden. Wo z.B. eine Stiftung Boden und Häuser einem Privateigentum entzieht, entstehen noch nicht allein dadurch kreative, gleichberechtigte Strukturen, sondern vielmehr bleiben die gesellschaftlichen „Zurichtungen“ erhalten – die Unfähigkeit zur Selbstorganisation, die Zurichtung auf einengende Familien- und Eltern-Kind-Verhältnisse, auf Chefstrukturen, Männer-Frauen-Rollen, bevormundende Erwachsene gegenüber Kindern usw. Gemeinsame Prozesse, kollektive Strukturen usw. entstehen nicht von selbst, sondern bedürfen der materiellen Grundlage (in Form gemeinsamen Zugriffs auf alle Ressourcen) sowie der aktiven Dekonstruktion von Wertigkeiten, Rollen usw. Dies ist nur über einen Diskussionsprozeß sowie ein aktives Experimentieren und Reflektieren zu erreichen – am besten im direkten Austausch mit politischen Bewegungen, die ebenfalls diese Ziele verfolgen. Die Stiftung FreiRäume soll daher diese Verknüpfung schaffen und sich nicht auf die Eigentumsfrage beschränken.

Netzwerk FreiRäume

Die Idee soll Platz bieten für eine Vernetzung und die Organisierung gegenseitiger Unterstützung zwischen politischen Frei-Räumen - Häuser, Zimmer, Wägen, Plätze, Camps, Veranstaltungen, Plattformen und vieles mehr. Was tatsächlich passiert, ist Sache der Beteiligten.

Infos zur Stiftung

Stiftung FreiRäume
Kontakt: c/o Projektwerkstatt, Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen, 06401-903283, kontakt (ät) stiftung-freiraeume.de
Kontakt Berlin: c/o trägerwerk e,V., Bernkasteler Str. 78, 13088 Berlin, 030-96201345, info (ät) stiftung-freiraeume.de