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Organisierung von unten Utopien Dominanzabbau Das "Wie" der Stiftung Grundideen
Verlag SeitenHieb

Die Organisierungs- und Finanzierungsfrage

Der Anspruch der Stiftung FreiRäume ist hoch: Es sollen möglichst viele Räume (Häuser, Grundstücke, Räume in Häusern) für eine offene und kreative Nutzung gesichert, aufrechterhalten und, weit besser, weiter entwickelt werden. Dazu müssen sie oft renoviert, dann mit Leben gefüllt und vor einer Privatisierung - auch schleichenden - geschützt werden, Die finanzielle und personelle Kraft der Stiftung selbst ist aber begrenzt – und es ist weder absehbar noch überhaupt wünschenswert, dass sich dieses ändert. Denn was wie eine Schwäche wirkt, ist in Wirklichkeit die Stärke. Nur aus dem Blickwinkel der heute üblichen Organisierungsformen erscheinen die Ideen der Stiftung FreiRÄume unerreichbar. Aber die Stiftung ist anders und will anders sein: Nicht Geld, sondern Phantasie und Selbstorganisierung sollen im Mittelpunkt stehen. Die Stiftung FreiRäume will dabei nur Werkzeug der selbstbestimmt Handelnden sein, damit ganz gezielt eine Lücke schließen und neue Handlungspotentiale eröffnen:

Die Stiftung will dabei nicht durch eigene Geldmengen die fehlenden materiellen Möglichkeiten von Projekten beheben, sondern durch direkte Hilfe, Kooperation und Vermittlung von Know-How unterstützen. So können durch Selbstorganisierung, gegenseitige Hilfe und gezielte Wissensaneignung Alternativen zur ständigen Hoffnung auf neue Geldquellen entstehen. Die ständige Jagd nach Geld, also nach Fördermitteln oder Einnahmen durch eigene Firmen, hat in der Vergangenheit fast alle alternativen Projekte von ihren ursprünglichen Zielen abbringen lassen. Wir wollen etwas anderes - und auch unsere Struktur und Handlungsweise soll dem entsprechen. Die Stiftung ist selbst ein Feld der Selbstorganisierung und Kooperation.

Grundgedanke 1: Horizontales Verhältnis aller Beteiligten

Es gibt eine Vielzahl von Einzelpersonen, Firmen, Vereinen und auch anderen Stiftungen, die über die nötigen Mittel und Voraussetzungen verfügen, Häuser, Grundstücke und Materialien zu beschaffen und für sich zu sichern. Viele von ihnen verfolgen ehrenwerte Ziele und eine Kooperation mit ihnen wäre nicht ausgeschlossen, wenn es um die Frage der Sicherung offener Räume oder Nutzung geh. Doch Gründung und Ziele der Stiftung FreiRäume entspringen einem weitergehenden Wunsch. Wir wollen Projekten zur Umsetzung helfen, die nicht schon von leistungsstarken, formalisierten Trägern initiiert oder gefördert werden, dafür aber die genannten, besonderen Qualitäten aufweisen.

Die Stiftung FreiRäume ist aus der Kooperation mehrerer kleiner Projekte heraus geschaffen worden. Ziel war, einen gemeinsamen Rechtsträger für Räume und gemeinsam nutzbare Gegenstände zu finden. Die Rechtsform der Stiftung ist mit Bedacht gewählt worden, denn während die einzelnen Projekte eine hohe Spontanität und Kreativität aufweisen, sollte für die materielle Grundlage eine besonders sichere und langlebige Sicherung gewährleistet sein. Dieses gewährleistet eine Stiftung am besten.

Um der Gefahr eines Machtgefälles zwischen Stiftung und den Gruppen zu begegnen, die in den per Stifungseigentum und/oder Vertrag gesicherten Räume aktiv sind, steht als zweite Säule neben der Sicherung des Eigentums durch die langlebige Stiftung der Abschluss eines Nutzungsvertrages. In diesem begegnen sich alle Beteiligten horizontal als gleichberechtigt Vertragsschließende. Der Vertrag sichert die Offenheit der Nutzung und die Autonomie der Nutzenden und heißt deshalb "Autonomievertrag". Die formalen Träger und Unterstützer der offen-kreativen Räume sollen nicht über ihre Apparate bestimmen, sondern die aktiven Menschen organisieren die notwendigen Prozesse.

Grundgedanke 2: Anregung zur Selbstorganisierung

Die zentralen Mittel der Stiftung sind ihre Handlungsfähigkeit durch die Rechtsfähigkeit des Treuhändervereins Tragwerk e.V. und damit das Eigentum an Räumen und Gegenständen. Deren Nutzung soll dann aber selbstorganisiert geschehen, d.h. die Stiftung sichert für ihre Ressourcen die unbeschränkte Zugänglichkeit und Nutzbarkeit. Sie inszeniert sich weder als Kontrollinstanz noch tritt sie wie eine Sponsorin in der Außendarstellung der durch sie geschaffenen Räume auf. Das würde nur Abhängigkeiten von den Mitteln der Stiftung produzieren, die nicht gewollt sind. Vielmehr ist es das Ziel der Stiftung, z.B. durch Beratung, Fortbildung und Vernetzung zur Selbstorganisierung der Nutzer*innen beizutragen.

Grundgedanke 3: Selbstorganisierung in zwei Richtungen

Die Stiftung unterstützt Selbstorganisierungsprozesse nicht nur durch die Bereitstellung von Ressourcen, sondern versucht durch die entsprechende Verankerung in den Nutzungsverträgen („Autonomieverträge“) die wachsende Selbstorganisierungsfähigkeit auch in eine unhintergehbare Form zu gießen. Mit dem Verzicht auf Kontrolle ist die Übertragung aller Zuständigkeiten an die am Ort Aktiven verbunden. Ausbau, Renovierungen, Erweiterungen und mehr liegen in der Hand der Nutzer*innen, die so das Eigentum der Stiftung erhalten oder - besser - erweitern. Da alles, was in den Räumen der Stiftung geschaffen wird, wiederum allen zugänglich ist, entsteht so ein sich selbst stärkender Prozess.

Ebenso soll die Stiftung von der wachsenden Selbstorganisierung der Projekte gestützt werden. Ziel ist, dass die Handlungsfähigkeit der Projekte und Nutzer*innen zu einer vermehrten Mitwirkung an den Aufgaben der Stiftung führt, die Aktiven in den Räumen der Stiftung wiederum auch die Ressourcen und Handlungsfähigkeit der Stiftung mit entwickeln - zum eigenen Vorteil und zur Unterstützung neuer Projekte. Die "Autonomieverträge" sollen dieses auch formal festhalten.

Grundgedanke 4: Formale Sicherung von Häusern und Ressourcen

Das Ziel der Sicherung von Eigentum durch die Stiftung dient dazu, Räume und Infrastruktur für eine offene Nutzung bereitzustellen. Die Rechtsform Stiftung garantiert die Langfristigkeit dieser offenen Nutzbarkeit. Das geschieht einerseits durch den langen Bestand, den eine Stiftung samt ihrem Kapital (also die Räume!) hat, andererseits durch die Festigkeit der Organisierungsstruktur, die gegenüber spontanen Interessenswechseln weitgehend stabil ist.

Es ist die Überzeugung derer, die mit der Idee der Stiftung eine Rechtsplattform für offene Räume und Ressourcen schaffen wollten, dass dieser Rechtsträger gegenüber den in Vereinen möglichen inneren Veränderungen eine bessere Absicherung bietet. Für die konkreten Aktivitäten in den Räumen wäre eine Stiftung als Träger hingegen genau falsch, denn diese sollen sich wandeln, neue Aktive sollen neue Impulse einbringen können ohne formale Hürden. Diese Offenheit garantiert der "Autonomievertrag", d.h. wir schaffen eine Kombination mit fester Sicherungsstruktur für die Räume plus einer maximal offenen, kreativen und dynamischen Praxis in ihnen.

Vorhanden: Erfahrung aus bestehenden Projekten

Die an der Stiftung beteiligten Personen verfügen über ein umfangreiches Wissen zu selbstorganisierter Projektarbeit. Alle Beteiligten sind selbst auf diese Weise aktiv, etliche auch am Aufbau von Häusern, Räumen und überregional nutzbarer Infrastruktur. In allen Fällen war der Verzicht auf Geld oder zumindest die Beschränkung auf sehr wenig Geldmittel ein Kennzeichen der Projekte. Die Ergebnisse zeigen, dass hohe Geldressourcen keine notwendige Voraussetzung für solche Räume sind, sondern im Gegenteil Kreativität und Offenheit gefährden.

Dieser vorhandene Erfahrungsschatz war nicht nur ein Ausgangspunkt der Stiftungsgründung, sondern wird auch bei der praktischen Arbeit hilfreich sein. Statt hoher Geldausschüttungen sollen die Stiftung und die von ihr unterstützten Projekte aus dem Know-How der Selbstorganisierung in Kombination mit einem Geflecht wechselseitiger Kooperationen leben - dann eben offen, kreativ, unabhängig.

Geplant: Austausch und gegenseitige Unterstützung mit nomadischen Ideen

Auch wenn sie nur eine Minderheit in der bestehenden Gesellschaft sind – es gibt viele Menschen, die bewusst ganz oder zeitweise nomadisch leben. Oftmals verbinden sie das mit dem Willen zum Lernen, eben an wechselnden Standorten. Die wandernden Handwerker*innen gehören ebenso dazu wie Einzelreisende, aber auch Projekte wie die bei der Stiftungsgründung beteiligten „travelling school of life“ oder die „Autonome Bildungsinitiative (ABI)“. Ähnliche aktuelle Projekte sind "livingutopia" oder "yunity". Dahinter steckt immer die Idee, Wissen an verschiedenen Orten zu sammeln. Mit den offenen Räumen der Stiftung FreiRäume sind solche Ideen bestens vereinbar, denn neben dem Sammeln von Wissen können die nomadisch lebenden Menschen ihre Erfahrungen einbringen, Ideen zwischen Projekten austauschen, Kooperationen befördern und vorhandenes Wissen in die jeweiligen Projekte einbringen – von handwerklichen Tätigkeiten bis zur Durchführung von Bildungsveranstaltungen.

Eine Kooperation mit solchen Zusammenhängen und mit Einzelpersonen aus ihnen ist deshalb angestrebt. Sie wird auch der Stiftung helfen, die eigenen Belange und Ziele ganz ohne oder mit nur sehr wenig finanziellen Mitteln zu erreichen.

Experimente

Auch und gerade, weil die Stiftung als sicherer Rückhalt die Ressourcen sichert, sollen die entstehenden Freiräume in einer für Experimente offenen Grundhaltung genutzt werden. Kooperatives Miteinander von Menschen, offene Nutzungsmöglichkeiten von Ressourcen, horizontale Kommunikation, gleichberechtigter Zugang zu Wissen und Know-How – in solch emanzipatorischem Denken ist die bestehende Gesellschaft im Ganzen und auch der Ideenreichtum im Kleinen und Alltäglichen stark unterentwickelt. Die Stiftung versteht ihr Wirken daher auch als wichtigen gesellschaftlichen Impuls über die konkreten, eigenen Räume hinaus.

Bei all diesen Experimenten bleibt aber der sichernde Rückhalt all dessen wichtig, was den Rahmen und die Plattform des Experimentierens bildet. Genau deshalb soll die Stiftung FreiRäume als Rechtsträger fungieren – um all den innovativen, selbstorganisierten Projekten eine formale Basis geben zu können, die selbst auf solche Rechtsformen verzichten wollen und oft verzichten müssen, weil der Gedanke des Experiments mit den formalen Anforderungen z.B. des Vereinsrechts kollidiert.

Zusammenfassung und Perspektive

Die Stiftung hat eine doppelte Bedeutung. Sie ist einmal sie selbst – mit eigenen Ideen, Projekten und einer (hoffentlich) steigenden Fülle kreativ genutzter Häuser, Räume und Materialien. Zum anderen aber ist sie der Rahmen, in dem Kooperation angestrebt wird und stattfindet. Sie soll der formale und sichernde Mittelpunkt einer bunten, sich kreativ weiterentwickelnden Menge an Projekten sein. Erst durch die Existenz der Stiftung werden viele Projekte möglich werden, die bisher daran scheiterten, dass Offenheit und formale Anforderungen sich widersprachen.

Gleichzeitig wird dieses Konzept die Existenz und Weiterentwicklung der Stiftung fördern. Das Kapital der Stiftung ist nicht in erster Linie eines, das Geld abwirft, damit mit diesem Geld wiederum die Stiftung verwaltet wird. Dann hätte es ja kaum Wirkung. Wir wollen alle Ressourcen direkte für unsere Ziele verwenden. Unser „Kapital“ sind die Häuser, Plätze und Gegenstände einerseits und das steigende Wissen der in der Stiftung aktiven Personen und von der Stiftung geförderten Nutzer*innen andererseits. Durch eine Vielzahl vertraglich festgehaltener oder im Einzelfall vereinbarter Kooperationen wird die Geschäftsführung der Stiftung die Sache derer sein, die gleichzeitig die Ressourcen der Stiftung nutzen. Dem Stiftungsrat und seinen Hilfspersonen fällt die Aufgabe der Initiative, der Koordinierung und der Gewährleistung der formal notwendigen Eigenaufgaben der Stiftung zu. Gelingt das, würde das jetzt schon gesicherte Eigenkapital ausreichen – auch wenn das Ziel bleiben wird, diese Summe zu erhöhen. Wir wollen kein Geld in die eigene Organisation, also in Apparate und Selbstdarstellung stecken! Die Stiftung ist ihre Projekte.

Das spezifische Organisierungskonzept der Stiftung als Rechtsgarant offener Räume und Ressourcen in Bereichen hoher Selbstorganisierung und weitgehend geldloser sozialer, kultureller und politisch-gesellschaftlicher Aktivität gewährleistet nicht nur das Überleben der Stiftung und eine angemessene Geschäftsführung , sondern bietet auch die Chance, das eigentliche „Kapital“ der Stiftung – Wissen und Ressourcen – immer weiter aufzubauen und verfügbar zu machen.

Ergänzung nach über zehn Jahren Stiftung

Knapp zehn Projekte wurden in der bisherigen Zeit angegangen. Die Bilanz ist verheerend. Der Grund, die Stiftung zu gründen, hat die Stiftungsidee bisher voll getroffen. Wir wollten die Häuser und Grundstücke vor denen schützen, die in ihnen Macht haben, also in der Regel die Bewohner*innen. Der Schutz hat aber nicht ausgereicht. Eiskalt oder gleichgültig haben die Bewohner*innen oder Nutzer*innen unsere Hilfe angenommen, einen Sicherungsvertrag unterschrieben und sich dann null dran gehalten - genau wissen, dass wir die Staatsmacht nicht einschalten würden. So sitzen sie mit ihrer Faustrechtsanwendung am längeren Hebel

 Unsere Veröffentlichungen zum Thema (draufklicken):